Newsletter

  • Immer informiert über die neusten Trends, Webseiten und Tutorials! Einfach hier für den monatlichen Newsletter anmelden.
  •  Eintragen
  •  Austragen

Login

Umfrage

  • Haben Sie Interesse an Softwaretipps für Webmaster?
  •  
  • ja
  • nein
  •  


Linktipps

Anzeige

 

www.finanzcheck.de

Finanzbehörden prüfen 100.000 Internetseiten täglich

Der Internethandel war in den vergangenen zwei Jahren mehr denn je im Visier der Steuerfahnder. Nach Angaben des Bundesministeriums der Finanzen haben die Finanzbehörden der Länder durchschnittlich 100.000 Internetseiten täglich auf steuerlich relevante Handelsaktivitäten überprüft. Für den Zeitraum von Januar 2006 bis zum Februar 2008 ergibt dies mehr als 70.000.000 gescannte Einzelseiten.

Unterstützt wurden die Ämter auf der Suche nach Steuersündern von dem neuartigen Webcrawler XPIDER. Die vollautomatische Schnüffelsoftware ist zwar bereits seit 2003 in zunehmendem Umfang für die Behörden aktiv. Doch erst jetzt wurden konkrete Zahlen über das Ausmaß der ministerialen Überwachung publik. Mehr noch als die Menge der durchforsteten Webseiten beeindruckt allerdings das scheinbar intelligente Gebaren von Xpider. Das emsige, selbstlernende System ist nach Auskunft des Ministeriums in der Lage, unternehmerische Tätigkeiten im Internet nach individuell definierten Merkmalen zu identifizieren. So vermag das Programm angeblich völlig autark, die gesichteten Käufe und Verkäufe einzelnen Anbietern zuzuordnen und Umsätze zu errechnen. Die aus den Internetseiten extrahierten Verkäuferdetails kann der Webcrawler anschließend selbständig mit dem Handelsregister und anderen steuerlich bedeutungsvollen Datenbanken abgleichen.
Sämtliche gesammelten Beweise bereitet das vielseitige Programm abschließend so auf, dass sie im Zweifelsfall vor Gericht benutzt werden können.


Die von Xpider aufgedeckten Ungereimtheiten gelangen im nächsten Schritt zur Überprüfung an Steuerfahnder aus Fleisch und Blut, die im Zweifelsfall ein Auskunftsersuchen an die entsprechende Handelsplattform stellen. So entlarvt das System Steuerpflichtige, die beim Finanzamt nicht registriert sind. Betroffen sind hier vor allem gewerbliche Händler, die einen Teil ihrer Ware unversteuert über private Accounts vertreiben. Doch auch übermäßig aktive Privatleute, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, im großen Stil Waren an und verkaufen, geraten ins Visier von Xpider.

Bei so viel technischer Finesse bleibt der Fahndungserfolg mit Sicherheit nicht aus. Über die absoluten Zahlen bewahrt die Bundesregierung allerdings Stillschweigen und verweist auf die Länderebene. Hier wird die Faktenlage denkbar dünn. Allerdings häufen sich in jüngster Zeit die Berichte über Auskunftsersuchen der Steuerfahnder bei den onlinebasierten Handels- und Auktionshäusern. Aus Kreisen der Hamburger Landesfinanzbehörde hieß es bereits, die Zusammenarbeit mit Handelsplattformen wie etwa ebay laufe reibungslos. Die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen berichten, dank Xpider seien mittlerweile "einige" Steuerprüfungen angelaufen. Die Summe der bisher erzielten Mehrsteuern solle im sechsstelligen Bereich liegen. Ein endgültiges Fazit über den monetären Erfolg konnten die Fahnder aufgrund der üblicherweise langwierigen Steuerverfahren jedoch nicht abgeben.

Noch im Bericht des Bundesrechnungshofes aus dem Jahr 2006 hieß es, dass Xpider zwar viele Daten finde, diese aber keinen Händlern zugeordnet werden könnten oder gar unbrauchbar waren. "Trotz mehrjähriger Datenrecherche ist es bislang nicht gelungen, Steuerhinterziehung im Internet wirksam zu entlarven", heißt es auf Seite 207 des Berichts. Der Erfolg von Xpider basiere somit eher auf Prävention durch Abschreckung, monieren die Kritiker. Doch ein Sprecher des Bundeszentralamtes für Steuern hält dagegen. "Die Xpider-Software wurde mehrfach verbessert. Damit ist es uns heute möglich, (...) alle unternehmerischen Aktivitäten im Netz zu erfassen". Die jüngste Fassung der Software liefere in nahezu allen Fällen aussagekräftige Hinweise auf die Identität des jeweiligen Unternehmers.

Auch wenn die genaue Arbeitsweise von Xpider nach wie vor eine Blackbox ist, scheint das Recherchetool mittlerweile das Experimentierstadium verlassen zu haben. Sowohl die gewerblichen Online-Händler als auch die unzähligen Privatanbieter müssen sich also in Zukunft bei ihren virtuellen Aktivitäten ihrer steuerlichen Verpflichtungen mehr denn je bewusst sein.
07.06.2008
Zurück zur Übersicht
 
Anzeige